Fuchsbejagung am Revier-Kunstbau mit Erdhunden

Vortrag von Josef Siedler, Bauhundjäger und Züchter von Deutschen Jagdterriern, im Tiroler Jägerheim, am 15.07.2007


Viel Raubwild kein Niederwild. Diese Ansicht entspricht den zahlreichen Beobachtungen und Erfahrungen, die Jäger insbesondere mit dem Fuchs gemacht haben.

 

LEBENSWEISE:

Als anpassungsfähiger Kulturfolger findet der Fuchs zu jeder Zeit gute Versorgungsmöglichkeiten. Zum Beuteschema zählen Mäuse, junge Hasen, Brutgelege aller Rauhfußhühner, Enten, Schnepfen. Auch die brav brütende Henne und bisweilen ein Rehkitz sind begehrte Beuteobjekte für die Aufzucht seiner Jungen. Ein erwachsener Fuchs hat einen Nahrungsbedarf von bis zu einem halben Kilo täglich.

Der Vortragende ist davon überzeugt, dass die Beuteentnahme des Fuchses wesentlich größer ist, als die jagdliche Entnahme der vorgenannten bejagbaren Wildtiere.

Dass der Fuchs auch Hauptüberträger von Tollwut, Räude und Fuchsbandwurm ist, was für Mensch und Haustiere lebensgefährliche Folgen haben kann, verpflichtet die Jägerschaft, die Bejagung und Regulierung der Fuchsbestände massiv, jedoch weidmännisch, zu betreiben.

Füchse und Steinmarder können laut Jagdgesetz ganzjährig geschossen werden. Davon ausgenommen sollte nach der Ansicht des Vortragenden die Bejagung während der Aufzuchtszeit der Jungtiere sein. Welcher Jäger könnte es mit seinem Gewissen vereinbaren, dass er eine Fähe mit prall gefülltem Gesäuge erlegt.

 

DIE TRADITIONELLE BEJAGUNG:

Wenn die Jäger von der Bejagung des Fuchses sprechen, denken sie meistens an den spannenden aber zeitaufwendigen und kalten Winteransitz in mondhellen Nächten; auch an eine organisierte Hasenjagd, an die zufällige Begegnung sowie die Stöber- und Brackenjagd. Welch hohen Stellenwert Reineke Fuchs bei der Jägerschaft im Allgemeinen genießt, erkennt man schon an der besonderen Aufmerksamkeit, die dem Raubwild zukommt. Wie auch immer das Raubwild bejagd wird, die Ausbeute hält sich nach dem freiwilligen Fallenverzicht eher in bescheidenen Grenzen. Die Bejagung des Fuchses am Naturbau im felsigen Gelände unserer Tiroler Bergreviere birgt ein erhebliches Risiko, weil Bauhunde dabei verschüttet werden können, eine Tragödie für Tier und Hundeführer! Wer als Jäger und Hundeführer so etwas erleben musste, weiß den Vorteil einer Kunstbauanlage zu schätzen.

 

DER REVIER-KUNSTBAU:

Ein Revier-Kunstbau ist eine von Menschenhand künstlich errichtete Anlage, die in stark vereinfachter Weise dem Naturbau nachempfunden ist. Bewährt hat sich in der Praxis eine Betonanlage aus mehreren gegossenen Bauteilen; ein gut isolierter, zugfreier Kessel mit Deckel und zwei Öffnungen, ein kurzes, daran ansetzbares Zwillingsröhrenstück mit konischem Übergang zu mehreren Einrohrbauteilen. Die Teile werden nach den Grabungsarbeiten vor Ort zusammengesetzt, gegen Wassereinbruch von oben geschützt, dann mit Erde wieder zugeschüttet und der Röhreneingang verblendet.

Was muß beachtet werden?

 

Einwilligung des Pächters:

Zur Errichtung eines, besser mehrerer Revier-Kunstbaue, benötigt man die Zustimmung des (der) Pächter. Immerhin schlägt eine solche Reviereinrichtung mit finanziellem Aufwand zu Buche. Das Jagdpersonal muss sich um die Wartung der Bausubstanz sowie um die Organisation und ordnungsgemäße Bejagung kümmern.

 

Berücksichtigung örtlicher Gegebenheiten:

Bei der Planung und Ausführung sind die jeweiligen Bedingungen vor Ort zu berücksichtigen. Die Anlage soll günstig im Revier positioniert sein, in der Nähe eines Naturbaues mit ständig aufgesuchten Wechseln und Pässen, möglichst abseits begangener Steige. Ein Kunstbau macht auch nur Sinn, wenn der Kessel vor Wassereinbruch und Durchzug einigermaßen sicher ist und der Eingang zum Bau regelmäßig und ohne Störung des Raubwildes beobachtet werden kann.

 

Ausführung der Arbeiten:

Händische Grabungsarbeiten verlangen einen entsprechenden Personal- und Kraftaufwand. Grundkenntnisse der Physik können nie schaden, denn Durchzug und Nässe sind immer physikalischer Natur. Die Zuhilfenahme von technischem Gerät kann die Arbeiten erleichtern und erheblich verkürzen. Deshalb ist die sorgfältige Auswahl des Standortes sehr wichtig. Je länger die zu- bzw. abführende Röhre ausgeführt wird, desto besser wird der Fuchs den Kunstbau annehmen. Füchse bevorzugen lange, dunkle Schliefröhren, die in leichter Biegung nach innen führen und kein Licht direkt in den Kessel dringen lassen.

 

Beobachtung und Bejagung:

Der unter viel Mühen errichtete, gut isolierte und mit Erdreich abgedeckte Kunstbau wird vom Fuchs nun bald angenommen. Groß wird die Freude sein, wenn dann eines Tages Fuchsspuren zum Röhreneingang führen.

Für die Baujagd sind vor allem drei Dinge wichtig:

-          Die Kunstbauanlagen sollen Tierschutzgerecht angelegt und leicht erreichbar sein

-          Unerlässlich ist auch ein gut ausgebildeter Bauhund mit dosierter Raubwildschärfe (Deutscher Jagdterrier oder Dachshund)

-          Die Jäger sollen ein diszipliniertes, ruhiges Standvermögen um eine schnelle, zielsichere Schießfertigkeit aufweisen. Schlechte und unsichere Schützen „versauen“ die Jagd.

Nachdem die Jäger unter Vermeidung jeglichen Lärms Stellung bezogen haben, wird ein Bauhund mit dosierter Raubwildschärfe in die Nähe des Röhreneinganges geführt. Er erkennt sofort, ob sich ein Fuchs im Kessel befindet, schlieft dann rasant in die Röhre ein. Sobald er unmittelbar vor dem Kessel in eine der beiden kurzen Zwillingsröhren vordringt, veranlasst er den Fuchs zum raschen Verlassen seiner Unterkunft durch die andere Fluchtröhre, jedoch ohne Kontakt mit dem Bauhund. Die aufgestellten Jäger strecken Reinecke Fuchs nun mit sicherem Schuss. Der nachfolgende Hund packt den Erlegten und schüttelt ihn freudig kräftig durch. Waidmannsheil! Sollte er aber schlecht getroffen sein und schlieft verletzt in die Röhre ein, so verfolgt ihn der gute Bauhund, setzt einen Kehl- oder Brustgriff und beendet schnell das Leben des listigen Beutegreifers. Der Hund zieht dann seine Beute aus der Bauröhre und beginnt vor dem Bau mit seinem Ritual aus Zugriff und Schütteln. Das gehört zu Befriedigung seiner Jagdpassion. Und die kleine Jägerrunde erfreut sich über den schnellen Jagderfolg.

 

Resümee:

Der Revier-Kunstbau erfüllt die für die Raubwildbejagung wichtigen und günstigen Kriterien

-          Der Fuchs kann rasch und ohne direkten Kontakt mit dem Hund gesprengt werden. Außerdem ist das gefürchtete Verkeilen oder Verschüttet werden des Erdhundes im Kunstbau unmöglich

-          Der Kunstbau ist auch im Winter gut erreichbar, der Röhrenausgang kann wegen der günstigen Wahl des Standortes gut eingesehen werden.

-          Der jagdliche Erfolg stellt sich meistens sehr rasch ein, längere Wartezeiten sind die Ausnahme.

 

Der Vortrag über die Raubwildbejagung wurde mir eindrucksvollen Fotos belegt. Ein Waidmannsdank gebührt dem Revierinhaber, Bezirksjägermeister DI(FH) Anton Larcher, für dessen Aufgeschlossenheit und Unterstützung bei der Errichtung von Revier-Kunstbauen, an denen schon beachtliche Erfolgen erzielt wurden.

Waidmannsdank.

 

Josef Siedler - Aufsichtsjäger und Bauhundeführer