W wie Wetter oder W wie Wiese

Nachdem in Deutschland die Jagd auf Rehbock schon im Mai begonnen hat, machten wir uns auf um einen solchen zu erlegen. Aus den Erfahrungen der letzen Jahre haben wir gelernt, dass es wenig Sinn macht, bereits Anfang Mai anzusitzen, da hier die meisten Böcke noch im Bast sind und einen Bastbock zu schießen macht für uns keinen Sinn (für manche schon, aber das ist mir nach wie vor unverständlich). Würde die Schusszeit im April beginnen, würden víele draussen sitzen und sich wundern, warum die Böcke noch im Bast sind, wo doch die Schusszeit schon begonnen hat. Aber über die Sinnhaftigkeit mancher Schusszeiten kann man sicherlich diskutieren.

TAG 1:

 

Wir hatten drei volle Jagdtage und meistens wenn wir uns diese Zeit nehmen haben wir mit dem Wetter nicht wirklich Glück - vielleicht diesmal haben wir uns gedacht.

Kaum angekommen ging ein Graupelschauer nieder, welchen ich so  in Tirol noch nie erlebt habe. Innerhalb von fünf Minuten lagen ca. drei-vier Zentimeter Schnee und das im Mai! - Ok mit dem Wetter scheint es diemal wieder nicht wirklich zu klappen.

Hartnäckig wie wir jedoch sind wurde auf den abendlichen Ansitz nicht verzichtet. Mit langer Unterwäsche und dicken Jacken machten wir uns auf ....

Saukalt , windig - mehr muss ich eh nicht sagen --> Anblick NULL.

TAG 2:

 

Nächster Tag windig und etwas wärmer.

Morgens entschlossen wir uns einen Pirschgang zu machen. Wir gingen in einen Revierteil, der uns gut gefällt und von dem wir uns gute Chancen erhofften und siehe da sofort hatten wir einen Fuchs in Anblick. Lustigerweise hatten wir den Fuchs bevor er uns hatte (sehr selten). Starker wind von vorn auf uns. Wir sind wie angenagelt stehengeblieben und der Fuchs schnurstracks auf uns zu. Irgendwas ist im spanisch vorgekommen, aber er konnte uns offensichtlich nicht wirklich zuordnen. Irgenwas war ihm dann aber doch nicht geheuer, denn ca. 6 Meter von uns entfernt bog er ab. Nun machten wir eine kleine Bewegung und zack hatte er uns und weg war er. Ich glaube wir haben auch den Bau lokalisieren können, wir gingen aber nicht in diese Richtung, um die Beunruhigung so gering wie möglich zu halten.

 

Abends gingen wir auf einen anderen Sitz, von dem wir uns mehr erhofften. Nach zehn Minuten sahen wir einen Bock, einen guten Bock - und weg war er. Dann hatten wir lange eine Schmalgeiß in Anblick und ganz kurz einen Jahrlingsbock. Aber an einen Schuß war nicht zu denken - zu weit und zu windig.

TAG 3:

 

Nachdem der gestrige Pirschgang sehr erfolgreich war, entschlossen wir uns wieder einen solchen zu machen - gleiches Gebiet. Und das Pirschen will geübt sein. Mir ist schon klar, dass ein Revier eher leergepirscht, als leergesessen ist, aber hin und wieder ein Pirschgang schadet nicht, und man kann rausfinden, was im Revier los ist.

Un wenn was passendes erprischt wird, dann ist das ja auch was und  sehr spannend.

Auch die Füchse sind uns offensichtlich an diesem Jagdwochenende treu. Von uns geht für sie um diese Zeit keine Gefahr aus, da sie ja mit der Aufzucht der Jungen beschäftigt sind. Und wir finden es immer wieder schön einen gesunden Fuchs zu sehen

Auch eine sogenannte Gummipirsch (auf Straßen und nicht querfeldein) kann so manches Wild in Anblick bringen. Das Foto ist leider nicht ganz scharf, aber aus dem Auto heraus mit vollem Zoom geht es nicht wirklich viel besser. Interessant war hier, dass der Fuchs sobald wir stehen geblieben sind Deckung suchte, sie natürlich im offenen Feld nicht fand. Flüchten wollte er offensichtlich auch nicht, also entschied er sich dafür zu warten was passiert. Wir waren offenbar noch nicht in seinen "wirklichen" Gefahrenbereich eingedrungen.

Abends gingen wollten wir wieder auf den gleichen Sitz wie am Vortag, aber als wir aufbaumen wollten begann der Bauer zu mähen, also kurz umdisponiert und einen anderen Sitz gewählt (den vom ersten Tag). Anblick für ca. 45 Sekunden eine Schmalgeiß und dann genau NULL.

TAG 4:

 

Heute beschlossen wir Abends auf einen unsere Lieblingsitze zu gehen, auf den wir bis jetzt eigentlich immer Anblick gehabt hatten. Das Wetter schien zu drehen und wir waren uns nicht schlüssig, ob es halten wird.

Ringelnatter?
Ringelnatter?

Auf dem Weg zum Sitz schien das Wetter noch absolut ok, aber es begann schon etwas zuzuziehen. Geprägt von den letzten Tagen waren wir für diesen Tag viel zu warm angezogen, sodaß wir gleich zu schwitzen begannen, aber egal. auf dem Weg zu Sitz noch ein etwas seltener Anblick (siehe Foto). Würde mal auf eine Ringelnatter tippen - bin aber kein Schlangenexperte, aber vielleicht korrigiert mich ein Leser - würde mich freuen zu wissen, was für eine Schlange das ist. 

 

Am Sitz angekommen begann es zu donnern, und da wir unser Schlüsselerlebnis mit Gewittern bereits gehabt haben entschlossen wir uns abzubaumen. Sicher ist sicher - lieber einmal zu oft gehen, als einmal TOT.

Beim Abbaumen sahen wir ca. 40 Meter hinter dem Sitz eine Schmalgeiß und einen Jahrlingsbock im Bast. Ca. 10 Minuten später hat der Wind gedreht und das Gewitter zog ab. Wir beschlossen die verbleibende Stunde auf einem anderen Sitz in der Nähe zu verbringen.

Auf dem Weg zum Sitz schauten wir uns noch einmal um und da sahen wir dann etwas, was wir noch nie gesehen haben. Bock und Schmalgeiß sind uns den ganzen Weg hinterhergegangen (ca. 300-400m) - wahrscheinlich waren es eine verzauberte Prinzessin und ein verzauberter Prinz.

Wir hatten beide noch einige Zeit in Anblick; gingen dann aber weiter zum anderen Sitz - Man lernt offensichtlich immer etwas dazu auf der Jagd.

Kurzum Anblick auf dem anderen Sitz - ein Dachs und für ca. zwei Minuten eine Geiß.

 

Waidmannsheil

 

G.S.

 

P.S.: Auch wenn wir nichts erlegen konnten, waren diese Ansitze und Pirschgänge wie jedesmal sehr lehrreich, spannend und eine Freude.

 

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