Jagdunfall 2004

Jetzt, nach mehreren Jahren, denke ich schon lockerer, jedoch immer noch mit äußerst negativen Erinnerungen an einen Jagdunfall in Ungarn bei nächtlicher Schwarzwild Ansitzjagd zurück.

 

Ich gehe davon aus, dass der ungarische Berufsjäger keine böse Absicht im Auge hatte, als er bei Halbmond-Helligkeit auf abgeerntetem Maisacker, der mit gehäckseltem Maishackgut bedeckt war, einen Jagdgast, der sich bei einer Nachsuche auf eine Wildsau mit einem Deutschen Jagdterrier befand, mit einer Wildsau verwechselte und mit einem schnellen Schuss aus einer 300. Winchester Magnum den Nachsuchegänger zu Boden streckte.

Die Folgen, die daraus entstanden waren mehr als unerfreulich; auch was die Unfallerledigung betrifft.

 

Das zerschmetterte Gehwerk durch den Beckendurchschuss mit dem groben Geschoss der 300. Win. Mag. Für Sau- und Rotwild war nur einer der vielen zerstörten Körperteile. – Ich will gar nicht auf alle zerstörten Körperteile eingehen, aber der fast nicht mehr enden wollende Aufenthalt in der Uniklinik Innsbruck mit vielen Operationen und Reparaturen mag zu denken geben.

 

„Ein großer Danke an die Ärzte, Schwestern und Pfleger für die hervorragende Behandlung“

 

Nun kommt das Unfallabwicklungsverfahren in einem Land, wo du keinen verstehst und umgekehrt, wo man das Gefühl bekommt, dass die Leute dort nicht echt daran interessiert sind eine für den verunfallten Auslands-Jäger gute Lösung des Problems zu erreichen. So ist vor Jagdbeginn immer eine Jagdkarte zu lösen und dazu gleich eine Jagdhaftversicherung abzuschließen; diese deckt natürlich nur die verursachten Schäden des Jagdkarteninhabers –Versicherungsnehmers ab.

Wenn man nun bedenkt, dass einem die Haftpflichtversicherung nicht geschenkt wird, ein mehrfaches als bei uns in Tirol kostet, im Vergleich jedoch nur einen kleinen Anteil von unserer Tiroler Jagdkarten-Versicherung abdeckt ist das sehr bedenklich. „Anerkennung für unseren TJV und die Uniqua Versicherung“.

Nachdenklich wird man erst im Nachhinein, nach einem Unfall; da kann unter Umständen schon einiges zu zahlen sein, denn das Unfallopfer hat einen Höchstanspruch von €20.000 pro Ereignis in Ungarn.

Wie es bei Haftpflichtversicherungen so ist, ist der Schadenverursacher eines Jagdunfalles versichert, für den von ihm verursachten Schaden; in so einem Fall von der Auslandsversicherung des ausländischen Berufsjägers mit geringer Haftungssumme, meist nur mit einer Vergleichhaftung ca. 50%. Allein die Anwaltsskosten übersteigen bei weitem die Entschädigungssumme..

 

Wenn ein Jagdunfall wie vorher beschrieben passiert und ein Betroffener mit einem beinahe einjährigen Krankenhausaufenthalt, unzähligen Operationen, Schmerzen in unbeschreiblichem Ausmaß und sonstigem Ungemach eine Höchstentschädigung von €20.000 zu erwarten hat, wo doch die einigermaßen brauchbare Wiederherstellung ein Vielfaches in Anspruch nimmt, so ist das sehr bedenklich.

 

Ich rate, aus gewonnener Erfahrung, bei Planung einer Auslandsjagdreise ins östliche Ausland diesbezüglich erschöpfende Auskünfte in Schriftform einzuholen. Ich empfehle eine entsprechende Unfallversicherung zu Hause mit gutem Versicherungsservice abzuschließen.

Wenn ein Unfall schon passiert ist, ist es zu spät.

 

Waidmannsheil

Josef Siedler